Der Pachtverein Hamburger Angler e.V. wurde 1910 gegründet. Die Archivalien zur Gründung sind spärlich. Als Gründer weist das Vereinsregister Wilhelm Peters und Carl Gerhold aus. Peters war auch Nachfolger von Horst Brehm (dem Herausgeber der 3. bis 5. Auflage der “Angelfischerei” von Max v.d. Borne), der mit Carl Peske Gründer des Deutschen Anglerbunds war und als dessen erster Präsident fungierte. Peters gehörte wie Horst Brehm, später Ehrenmitglied des Pachtvereins, zu denen, die dem Beispiel der “verrückten Engländer” folgend, um die Jahrhundertwende das Angeln in Deutschland als “Sport” gesellschaftsfähig machten.

Informationen aus dem Fundus des Pachtverein Hamburger Angler e.V.

Übersicht der weiter unten zu findenden Artikel:

• Aus: “Der Angelsport” — Von der Felda (1925)
• Aus: “Der Angelsport” — Wurf—Rekordleistungen (1925)
• “Besatzmaßnamen” (allgemeine Betrachtung — Buhse 1975)
• “Gedanken zum Besatz von Forellenbächen” (Klinke 1978)
• “Besatzmaßnamen” (Klinke — Ostermann 1978)
•”Besatzmaßnamen” (Klinke — Dannenberg 1980)
• “EIN PROBLEM …. ” (Situations-Betrachtung — Gablenz 1979)

 

“Der Angelsport” — Von der Felda (1925)

Aus: “Der Angelsport”

Illustrierte Monatsschrift
für Angel- und Fischereisport
Jahrgang I Juni 1925 Heft 8

Angelgelegenheiten (s. S. 180). Kurz vor Drucklegung des vorliegenden Heftes finden wir in der Fischerei=Zeitung, Neudamm, (Nr. 21 vom 24. 5. 25), die wir ihres stets interessanten Inhaltes wegen den Sportanglern, und besonders den Sportfischern unter ihnen, bestens empfehlen, folgenden Brief aus dem Juni des vorigen Jahres.

Von der Felda. 956 Forellen und 61 Aeschen habe ich diesmal gefangen. Das gibt so rund wieder 1000 Stück wie gewöhnlich. Ich bin der Sache nun vorläufig müde und mache Schluß. Die hohe Saison geht ohnehin zu Ende. Spät hat sie in diesem Jahre eingesetzt und schnell ging sie vorüber. Ende Mai war noch immer die Steinfliege der einzige Köder, der Aussicht auf guten Erfolg hatte. Endlich anfangs Juni wurde der Kutscher voll genommen, die beste Frühjahrsfliege an der Felda, die die größten Zahlen bringt. Sonst kam die hohe, herrliche Zeit schon Mitte Mai. Jeder Fisch nahm den Kutscher dann voll und unbesehen und die Tagesergebnisse stiegen auf 100 bis 150. Diesmal wurde der Kutscher bereits nach einer Woche durch die Maifliege abgelöst, die wiederum nur eine Woche genommen wurde. Tagesergebnisse von 50 bis 75 waren in diesen beiden Wochen die Regel. Also gegen früher halbe Erträge. Immerhin waren diese Tage sehr schön. Das Wetter war prächtig und es gab viele große Fische.
Die Felda ist zweifellos für den Forellenfischer einer der vornehmsten Wasserläufe Deutschlands. Nicht umsonst ist sie vor dem Kriege lange Zeit in den Händen englischer Sportfischer gewesen. Erfreulicherweise ist sie jetzt jedem Petrijünger offen.
Klar und rein im Wasser, frei von schädlichen Einläufen, voll gesunder, kräftig kämpfender Forellen und Aeschen bietet sie dem Anfänger wie dem gewiegtesten Meister ewige Abwechselung.
In früheren Jahren traf ich sehr viele Sportfreunde aus allen Gauen Deutschlands an der Felda. Wo sind sie geblieben? In den schönsten Tagen des Juni war ich dieses Mal allein in Dermbach und hätte doch wie sonst so gern abends nach köstlich am Wasser verbrachten Stunden mit gleichgesinnten Freunden Zwiesprache gehalten über die am Bache gemachten immer neuen Beobachtungen. Die alten Herren scheinen, vielleicht aus finanziellen Gründen, schweren Herzens der Fischerei Lebewohl gesagt zu haben; die Jungen kennen sie vielleicht noch nicht, die unerschöpflichen Fischereigründe der Felda. Nach zwanzigjährigem Besuche kann ich sie jedem zünftigen Forellenfischer ehrlich empfehlen, die mir fest ins Herz gewachsene Felda, meine Felda!
Liebhaber mögen sich wenden an den Sächsischen Hof in Dermbach (Rhön). Der Wirt ist Pächter von 14 km Wasserlauf und sorgt durch reichen Einsatz für guten Fischbestand. Er stellt seinen Gästen dieses herrliche Revier, den schönsten Teil, den Mittellauf der Felda, zur Befischung zur Verfügung.

Dermbach, im Juni 1924.

 

“Der Angelsport” — Wurf—Rekordleistungen (1925)

Aus: “Der Angelsport”
Illustrierte Monatsschrift
für Angel- und Fischereisport
Jahrgang I Juni 1925 Heft 8

An  den Herausgeber.

Mit Bedauern habe ich aus der D. A. Z. entnommen, daß das Turnierwerfen anläßig des Jubiläumsfestes zu Breslau wegen zu geringer Beteiligung ausfallen muß. Zeigt dies nicht eigentlich wie tief unser geliebter Sport noch steht? Bedauerlich sind auch über das Ziel hinausgehende Kritiken wie eine in der D. A. Z. zu lesen war, die feuern sicher nicht zur guten Sache an. Auch von schlechten Vorführungen kann jeder etwas lernen und es ist kein Meister vom Himmel gefallen. Ich persönlich habe auf dem ersten öffentlichen Turniere hier im Rheinlande vieles hinzugelernt.

Liegt die schwache Anmeldung für das ausgeschriebene Turnier vielleicht nicht an folgendem:

In den Fachzeitungen und Büchern ist immer die Rede von Würfen mit der Flugangel von 30 – 45 Meter. Ich persönlich fische nun schon intensiv vier Jahre mit der Flugangel und glaube in präzisen Würfen und auch in der Technik kein Anfänger mehr zu sein, habe es jedoch mit meiner Aeschenrute, 3,20 m lang, ca. 220 g schwer, noch nie über 18 – 20 m gebracht und dies auch erst, seitdem ich in der letzten Zeit eine konisch zulaufende englische Schnur gebrauche. Außer meinen eigenen Würfen habe ich die Gelegenheit sechs bis sieben Herren auf ihre Würfe zu beobachten, aber keiner bringt es weiter und soweit ich dies beurteilen kann, stellen diese Herren eine kleine Elite dar.

Ist es da nicht einmal an der Zeit darauf hinzuweisen? Es ist nämlich mit dem besten Willen und Geschick ausgeschlossen, mit einer Gebrauchsrute weiter zu werfen als wie oben ausgeführt.

In der Zeitschrift „Wild und Hund”, Berlin, las ich im vergangenen Jahre, daß bei einem Charlottenburger Turniere der Weitwurf mit der Flugangel 18 m, bei schlechten Windverhältnissen, war. Dies ist nach meiner Beurteilung eine sehr gute Leistung gewesen.

Durch die eigentlich falschen Angaben der Rekordleistungen bis zu 45 Meter, die nur durch Verwendung von extra gebauten Turnierruten erreicht werden können, wird sich nun mancher Sportangler, der vielleicht ein Meister in seinem Fach ist, scheuen vor die Öffentlichkeit zu treten, denn er sagt sich, mit deinen Würfen bis zu 20 Meter bist du anscheinend ein Stümper. Mir persönlich ging es ganz genau so. Also fort mit den unrichtigen Angaben und nur Gebrauchsruten auf Turnierplätzen zugelassen! Eine Norm hierfür zu finden ist schwer, ließ sich jedoch vielleicht an Hand von Länge, Gewicht und Feinheit der Spitze finden. Dies beträfe die Flugangel.

Genau so wird es mit der Spinnangel auch sein; jedoch kann ich dies nicht so beurteilen, weil ich zu wenig diese Sportart anwende; aber ein Wurf mit einer Gebrauchsrute bis zu 25 Meter ist meiner Ansicht nach schon sehr gut. Vielleicht äußert sich mal hierzu ein Spinnangelspezialist.

Es würde mich sehr freuen auch andere Meinungen und Erfahrungen zu Vorstehendem zu hören.

Gut   Wasserwaid!

Jos.  Scherer   jr.,  Köln

 

“Besatzmaßnamen” (allgemeine Betrachtung — Buhse 1975)

Prof.Dr. G. Buhse                                                                                                        Mai 1975

 

Besatzmaßnahmen

Die Sorge um unsere Gewässer mit ihrem Fischbestand wird mit Recht immer größer. Dabei soll eine Patentlösung wie Besatzmaßnahmen über die ganze Misere, die sich in dem Lebensraum Wasser abspielt, hinweghelfen. Oft mindern wir aber mit dem Ankauf und dem Besetzen von Fischen nicht diese Not, sondern vergrößern sie mitunter. Dieser Tatbestand ist wohl schon des öfteren beobachtet oder diskutiert worden. Es soll daher im Nachstehenden über Besatzmaßnahmen im Rahmen der Förderung der Fischerei einiges gesagt werden.

Die Tiere als Warmblüter haben im allgemeinen eine begrenzte Nachkommenschaft. Schafe, Rinder, Ziegen, Rehwild oder Hasen usw. haben eine Nachkommenschaftsquote, die weit unter   102 im Jahr, ja sogar meistens unter 10 liegt. Der Fisch besitzt eine Nachkommenschaftsquote von 10– 10. Diese Fruchtbarkeit rechtfertigt demzufolge in der ungestörten Natur in keinem Falle Besatzmaßnahmen . Untersucht man aber den Grund des Fischrückgangs stößt man auf einschneidende umweltbedingte Eingriffe, die naturfeindlich sind:

Regulierung der Bachläufe

Zerstören der Laichplätze

Fehlen der Unterstände für größere Fische

Zurückgehen des Wasserstandes während der Trockenperiode

Verstärkte Übereutrophierung

Belastung des Fischloses durch Abwässer, Tenside und Biozide

Der Lebensraum Wasser reagiert also mit einer veränderten Fruchtbarkeit. Die vorher ausgeglichene Fauna- und Floraproduktion verschiebt sich zu Gunsten unerwünschter Bestände, die z.B. biologisch lebenshärter reagieren, aber auch nicht so wertvoll sind oder auch störend wirken können.

Der Begriff  ‘Unkraut‘ in Kulturland ist uns aus der Landwirtschaft oder Gärtnerei geläufig. In der Fischwirtschaft gibt es ähnliche Begriffe. Die Einplanung der gezielten Fruchtbarkeit des Gewässers muß im Vordergrund stehen. Redewendungen wie Fischverachtung als Nahrungsmittel sollte bei Freizeitfischern verpönt sein. Der Fischer, der fängt, also über Leben und Tod entscheidet, soll auch Achtung vor den Fischen als Lebewesen haben, indem er sie genießt und sich nicht nur an dem Fangen und Töten berauscht. Dabei wird es unterschiedlich sein, ob ein Gewässer vorwiegend ‘Fischunkraut‘ beherbergt oder in seinem Abwachs auch einen hohen Prozentsatz an Edelfischen aufweist. Dem Übel ist demnach mit Leichtigkeit beizukommen, indem die Beeinträchtigungen beseitigt werden. Gelingt dieser Schritt, ist ein Besetzen mit Jungfischen in nahezu allen Fällen kaum erforderlich. Dies scheint eine harte Forderung zu sein, ist doch der Ankauf von Jungfischen, das Besetzen der Gewässer, viel einfacher als das Abstellen der Störfaktoren, und gibt dieser Vorgang doch oft vielen Beruhigung, etwas Gutes, ja manchmal sogar Ausreichendes, getan zu haben.

Viele Bestockungsversuche zeigen, daß aber der erwünschte Erfolg ausbleibt, ja ausbleiben muß. Das heißt aber dann, daß die nur im beschränkten Maß zur Verfügung stehenden Mittel unsachgemäß vertan sind. Die harte Forderung, auf welche Weise eine Förderung der Fischerei zu erfolgen hat, ist demnach vorweg zu stellen. Da aber die Natur vielgestaltig ist, kann keine Elementarformel zum Erfolg aufgestellt werden. Hierzu sind vorerst einmal die einzelnen Gewässertypen zu unterscheiden und dann die für sie geeigneten Fischarten herauszustellen. Jede Fischart ist auf ihren Lebensraum abgestimmt. Die Aufstellung der Gewässer nach Regionen gibt hierzu den Leitfaden.

Den Wohnbedingungen nach wollen wir nachstehende Gewässer unterscheiden:

Gewässerarten:

1.)   Fließendes Gewässer (offene Gewässer) – der Wechsel der Fische ist gewährleistet.

1.1  Forellenregion

1.2  Äschenregion

1.3  Barbenregion

1.4  Altarm in der Barbenregion

1.5  Brassenregion

1.6  Altarm in der Brassenregion bzw. Buhnenfelder

 

2.)   Stehende Gewässer – meistens geschlossene Gewässer.

2.1 Ablaßbare Teiche mit zu regelndem Zu- und Ablauf.

2.2 Eutrophe Teiche (Dorf-, Hofteiche)

2.3 Waldteiche (Garten-, Park-, Waldteiche) – beschattet, Laubeinfall.

2.4 Stauteiche (Mühlen-, Feuerlöschteiche, Staubecken) – keine Gelegegürtel.

2.5 Nichtablaßbare Teiche mit Zu- und Abfluß (Quell-, Bachteiche).

2.6 Seen

2.7 Nichtablaßbare Teiche ohne Zulauf (Himmelsteiche).

2.8 Kies- und Baggerseen.

 

Jede Fischart wechselt im Laufe eines Jahres ihren Standort. Freß- und Laichgebiete sind einander konträr. Das Aufsuchen der Laichplätze wird durch Gensignale vererbt. Dies wird auch als angeborener Instinkt bezeichnet. Nur gleichartige Gensignale einer Rasse ermöglichen es, den Geschlechtspartner auf dem Laichgebiet zur rechten Zeit zu finden und die Befruchtung der richtig abgestoßenen Eier zu vollführen. Diese Genanlagen können breit angelegt sein, sie können aber auch z.B. zeitlich eng begrenzt sein. Kommen Fische mit unterschiedlichen Signalen zusammen, ist die Befruchtung in Frage gestellt. Praktisch bedeutet dies, daß fremde Rassen, ja sogar schon Fische aus fremden, entfernten Einzugsgebieten, einander stören können und nicht zur Fortpflanzung kommen. Die teuren Besatzmaßnahmen zeigen dann nicht den erwünschten Bestockungserfolg. Die Forderung muß daher sein: Der beheimatete Fisch ist auszusetzen, d.h. der richtige Besatzfisch ist aus dem Zuchtbetrieb anzukaufen, der im oder am Einzugsgebiet des Gewässers liegt, das zu bestocken ist.

Ein weiterer Hinweis sollte ebenfalls Berücksichtigung finden. Unsere Fischbestände in den offenen Gewässern haben sich in Jahrtausenden gebildet und bewährt. Sie haben sich durch Selektion der Umwelt angepaßt. Kommen fremde Rassen hinzu, scheinen mitunter oft diese zu dominieren und verdrängen die alten Fischbestände. Sie sind aber den naturbedingten Umweltgegebenheiten nicht angepaßt und versagen beim nächsten Winter oder anderen Zeiten extremer Faktoren, denen sie nicht gewachsen sind. Das Gewässer verliert den neu eingesetzten Fischbestand, hat aber den alten bewährten bereits durch verkehrte Besatzmaßnahmen verloren. Die Folge muß sein, daß Fischunkraut sich breit machen kann und den Lebensraum ‘überwuchert‘.

Im Zeitalter der modernen Technik ist der Transport von Besatzfischen nicht mehr so schwierig, wie noch vor einem halben Jahrhundert, wo die Forellen im Schüttelfaß auf einem Pferdefuhrwerk transportiert wurden. Plastikbehälter mit Luftversorgung oder Sauerstoffzugabe können auch zur Überwindung größerer Entfernungen auffordern und reizen. Aber was soll es! Selbst wenn ein gutes, preisgünstiges Angebot an Satzfischen einen guten Einkauf vortäuscht, können diese Fische aus den entfernten Gewässern nicht den eigenen überlegen sein.

Hinzu kommt das Einschleppen von Krankheitserregern und das Fehlen der Resistenz eigener durchstandener Erkrankungen. Zu den Krankheitserregern mögen auch die weit verbreiteten Fischparasiten gehören. Die Karpfenlaus (Argulus) ist ein typischer Vertreter hierfür. Ebenso gefährlich ist ein anderes Krebstierchen als Berufsparasit, das die Kiemen des Fisches befällt (Ergasilus). Der Besatz (z.B. die Schleien) kann noch einen gesunden Eindruck machen und bringt die Parasitenüberträger beim Besatzankauf mit, womit der eigene Fischbestand verseucht ist.

In der letzten Zeit sind durch unkontrollierte Besatzmaßnahmen vielfach die Kratzer in noch gesunde Gewässer verschleppt worden. Diese Acanthocephalen leben im Enddarm der Fische und schmarotzen beim Wirt. Da es zunächst kein Krankheitsbild zu geben braucht, ist eine Feststellung von Parasitenträgern nur dem Fachmann oder dem geschulten Auge vorbehalten. Auch hier gilt der Grundsatz, den Fisch aus der bewährten Zuchtanstalt anzukaufen, auch wenn er etwas teurer mitunter ist als verbilligte Massenangebote von weit her.

Welche Fische eignen sich als Besatz und für welche Gewässer?

Selbstverständlich muß die erste Forderung sein, nur Edelfische einzusetzen. Aber auch hier gibt es Fragen und Zweifel nach dem geeigneten Alter. Jeder Fisch soll so jung wie möglich in seinen für ihn bestimmten Lebensraum kommen. Das Einleben wird ihm erleichtert, was im ‘Kindesalter‘ immer einfacher ist als im ‘Jugendstadium‘, geschweige denn als ‘erwachsener‘ Fisch. Zum anderen wird beim Einsetzen von Jungfischen wesentlich besser die angebotene Fauna verwertet und für eine fortschreitende Neuentwicklung der Lebensraum freigemacht. Und schließlich ist der junge Fisch billiger als der ältere. Die Kopfzahl, die ins Wasser gelangt, ist demzufolge für den angesetzten Betrag höher, was sich günstig auswirken muß.

Selbstverständlich gibt es auch hier Grenzen. Fischeier in ein Gewässer zu bringen, ist in vielen Fällen nicht angezeigt. Der Ausfall ist prozentual zu groß. Räuberisch lebende Fische wie der Aal würden hiermit nur gefüttert werden.

Auch ist bei der Brut ein hoher Verlust zu verzeichnen. Einsele stellte in den Alpenseen fest, daß der Nachwuchs der Coregonen stets nicht ausreichend war. Dies lag an der Tatsache, daß das Schlüpfen der Coregonen in die Zeit fiel, in der das Plankton noch nicht genug entwickelt war. Ein Anfüttern und Aussetzen der vorgestreckten Brut ergab die gewünschten Erfolge.

Ein ähnliches Verhalten zeigt sich beim Hecht. Unsere Gewässer verarmen an Hechtbestand. Hier wirken sich die regulierten Flüsse störend aus. Überschwemmte Wiesen, die der Hecht zur Ablaiche im Frühjahr braucht, fehlen nahezu vollkommen. Es muß demzufolge auf Besatz zurückgegriffen werden. Dabei ist Brut einzusetzen, wegen zu hoher Verluste nicht angezeigt. Wohl aber ist der vorgestreckte Hecht (Hy) in einer Größe von 3 – 5 cm widerstandsfähig genug und liefert gleichzeitig die höchste Kopfzahl für den zur Verfügung stehenden Betrag zum erfolgreichen Besatz und Abwachs im Wasser. Eine gute Verteilung der vorgestreckten Hechtbrut muß aber dabei durchgeführt werden. Da er kannibalistisch veranlagt ist, darf er seinen Artgenossen nicht ins Gesichtsfeld kommen. Eine gute Verteilung hilft den Erfolg zu fördern. Dies ist beim Zandersetzling nicht nötig.

Im nachstehenden sind die für den Besatz sich eignenden Edelfische aufgezählt und das günstige Alter für die Bestockung gekennzeichnet.

 

Besatzfische (Edelfische)

 

Ei          Br.        vorg.        1.sömm.      2.sömm.       Sp.-F.       Laich-F.

 

FB  Bachforelle            –            +            –                ++                +                 –                  –

FR  Regenbogen           –             –            –                ++                +                 –                  –

Ä    Äsche                    –             –             –                ++                +                 –                 +

K    Karpfen                 –             –            +                 +                 +                 +                 –

S     Schleie                  –             –             –                 –                 +                 +                 +

H    Hecht                     –             –           ++                +                 –                 –                  –

Z     Zander                   –             –             –               ++                 –                 –                  –

A    Aal                        –            ++            –                –                   –                 –                  –

 

Ziel muß sein, in einem Produktionsabschnitt (Sommer) einen guten Kg/ha – Ertrag zu erreichen. Die Fangart ist sekundär (Haken, Reuse, Netz, Elektrofischerei).

 

Einige Richtlinien zusammengestellt:

1.)     Besatzmaßnahme bedeutet, Jungfische ins Gewässer bringen, wobei die Fischart dem Gewässer angepaßt sein muß. Die Fische sind im Vergleich zu den Tieren (Warmblüter) wesentlich fruchtbarer. Sie produzieren selbst an Nachkommenschaft genug. Die Edelfische haben aber Laichgebiete verloren (Regulierung der Flüsse) oder ihre Nachkommen als Brut werden durch Abwässer stark reduziert. Dies rechtfertigt die Besatzmaßnahme an Edelfischen.

2.)     Alle Besatzfische müssen vollkommen gesund sein. Andernfalls ist ein Einschleppen von Krankheiten und Parasiten gegeben. Die Besatzfische müssen aus einem anerkannten Zuchtbetrieb kommen.

3.)     Alle Besatzfische sollen aus dem Einzugsgebiet stammen (Flußsystem), in dem das zu besetzende Gewässer liegt.

4.)     Die besten Besatzfische sind stets die, die die naturveranlagten Signale am wenigsten verloren haben, also am geringsten domestiziert sind.

5.)     Der jüngere, kleinere Fisch ist stets der wertvollere. Der stark gemästete Jungfisch eignet sich weniger gut für Besatz in offenen Gewässern.

6.)     Der jüngere Fisch ist gleichzeitig der billigere Fisch. Mit den zur Verfügung stehenden Besatzmitteln kann mit ihm die größte Kopfzahl ins Wasser gelangen.

7.)     Die Nahrungskette wird mit jüngerem Besatzmaterial wesentlich besser ausgenutzt. Gleichzeitig ist der Jahreszuwachs mit ihm erheblich besser.

8.)     Bei jedem Einsatz von Jungfischen ist auf eine gute Temperaturadaption zu achten. Der hierfür erforderliche Zeitfaktor muß beim Besatz vorher eingeplant sein.

9.)     Die Kontrolle eines gesunden Gewässers zeigt einen zufrieden stellenden Jahresabwuchs in Kg/ha/a. Hierzu ist das führen einer Fangstatistik unumgänglich.

 

Mai 1975                                                                     gez. Prof. Dr. G. Buhse

 

“Gedanken zum Besatz von Forellenbächen” (Klinke 1978)

Joachim Klinke 1978

 

“Gedanken zum Besatz von Forellenbächen”

 

Die Überlegungen sollten ausgehen von:

1.) Um was für ein Gewässer handelt es sich?

1.1. Wie groß und insbesondere wie lang ist die zur Verfügung stehende Strecke?

1.2. Ist es stark durch Hoch- oder Niedrigwasser gefährdet?

1.3. Ist es reguliert und seit wann, und hat es nach Regulierung inzwischen wieder etwas natürlichen Charakter angenommen was in der Regel nach 8 bis 10 Jahren der Fall ist?

1.4. Produziert es noch eigenen Nachwuchs oder ist die Belastung zu groß bzw. die Bodenbeschaffenheit für die Fortpflanzung ungeeignet (Mangel geeigneter Kiesbetten?

1.5. Zu klären ist das Temperaturverhalten, die Strömungsgeschwindigkeit und die  Sauerstoffkurve (Letztere insbesondere auch in den verschiedenen Jahreszeiten, bei Hoch- und Niedrigwasser und bei den möglichen Maximaltemperaturen.

1.6. Welcher Bestand ist vorhanden?

1.6.1 Welche Arten von Salmoniden bis zu welcher Größe, welche Beifische, gibt es “Schadfische”?

1.6.2 Handelt es sich um einen autochthonen Salmonidenbestand?

1.7. Welche Nahrungsgrundlage ist gegeben?

1.8. Muss eine Neubestockung nach völligem oder teilweisem Sterben vorgenommen werden?

 

2.) Wie stark soll, kann das Gewässer befischt werden – voraussichtliche jährliche Entnahme (Stück und Gesamtgewicht – Zuwachsrate)?

3.) Ab wann soll die Nutzung möglich sein?

4.) Wie lange kann noch genutzt werden (Dauer der Pachtperiode – Aussicht auf Anschlusspacht/eigenes Gewässer)?

 

Die unterschiedliche Beantwortung obiger Fragen wird mehr oder minder große Änderungen folgender Vorschläge notwendig machen:

Zunächst ist zu Grunde gelegt ein Gewässertyp mit leichter Abwasserbelastung (Güteklasse 2) ohne wesentlichen – auf jeden Fall ohne ausreichenden eigenen Nachwuchs in der Größe von ca. 1 bis 3 ha und einer Mindestlänge von ca. 3 km.

Welche Fehler können gemacht werden:

Der häufigste und kostspieligste und in allen seinen Folgen u.U. der schlimmste ist der Besatz mit fangfähigen Fischen – im ungünstigsten Falle mit in Teichen gezogenen Regenbogen.

Lassen Sie mich bitte zunächst die Regenbogenforelle behandeln:

Es gibt nur wenig Flüsse – und diese praktisch ausschließlich in der Alpen-Region, bei denen ein Regenbogenbesatz praktisch nicht fast 100%ig abwandert.

Zumindestens sollten folgende 4 wesentliche Gegebenheiten erfüllt sein, um einen Versuch mit Regenbogenbesatz zu machen:

“Winterwarmes Wasser (sehr starker Quellwasseranteil)”.

“Ausreichend tiefe Gumpen mit mehr als 3 m Tiefe”.

“PH-Wert deutlich im basischen Bereich (7,5 bis 8)”.

“Sehr viel Nahrungsangebot”.

Eine ausführliche Darlegung würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen und sollte berufenen Spezialisten vorbehalten sein. Wir wollen uns im wesentlichen mit der Bachforelle befassen.

Als Grundlage der Überlegung können einige in der Anlage 1 zusammengestellte Zitate aus dem neuesten Leitfaden für den Fischereiausübenden in der Binnenfischerei des Landes Niedersachsen betitelt “Die Hege von Fischbeständen”, Ausgabe Dezember 1976, dienen. Hier sind wesentliche Gesichtspunkte erwähnt, die wie folgt ergänzend und zusammenfassend behandelt werden sollen:

Wir wollen doch im Wesentlichen folgendes erreichen:

• Möglichst vollständige Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Gesamtgewässerfläche (die Kubikmeter spielen eine unter geordnete Rolle).

• Möglichst weitgehende Ausnutzung der gesamten Nahrungsgrundlage vom Kleinst-Lebewesen bis zum kleinen Beifisch.

Beide Forderungen verlangen einen optimalen Altersaufbau, der etwa (aber hierüber kann man sehr diskutieren): je nach Art des Gewässers wie folgt aussehen könnte:

Fische im ersten Sommer: 6o bis 7o %.

Fische im zweiten und dritten Sommer: 15 bis 25 %.

Fische ab vierten Sommer: Der Rest.

Wie groß der Prozentsatz der Fische ab vierten Sommer betragen kann und soll richtet sich einmal nach der Lebensmöglichkeit, nach Art und Menge und Größe der Nahrung – und insbesondere auch nach der Intensität der Befischung, die ihrerseits besonderen Einfluss auf das Schonmaß haben sollte.

So kann bei starkem laufenden Besatz und insbesondere gleichzeitigem mangelnden eigenen Nachwuchs sowie bei starker Befischung (z.B. kopfstarker Verein) das Schonmaß (selbstverständlich bei gleichzeitiger scharf überwachter Stückzahl-Begrenzung) niedrig angesetzt werden.

Dies, um einer möglichst großen Anzahl von häufig ja ungeübten Anglern einen Erfolg zu ermöglichen und den “natürlichen Abgang” (durch tierische Schädlinge, insbesondere Reiher, Raubfische usw., Krankheiten) stückzahlmäßig so gering wie möglich zu halten.

Dabei sollte das in den ersten 3 Lebensjahren besonders interessante Wachstum (große relative Gewichtszunahme) ausgenutzt werden.

Liebhaber großer Fische kommen dabei übrigens durchaus auf ihre Kosten.

Auch hier ist eine Vertiefung dieses ebenso wichtigen wie interessanten Themas nicht möglich.

Bei Gewässern mit nennenswerten eigenem Nachwuchs stehen wohl andere Gesichtspunkte im Vordergrund.

 

Aus dem oben Gesagten ergibt sich, daß eine optimale Ausnutzung aller, Zuwachsmöglichkeiten (Bevölkerung aller Bachabschnitte, Ausnutzung der gesamten Nahrung, gleich welcher Größe) nur durch den Besatz mit möglichst kleinen Fischen erreicht werden kann.

Es bieten sich dabei an:

• Brütlinge.

• Sömmerlinge (auf 3 bis 5 cm vorgestreckte Brut).

• Einsömmrige Setzlinge (in der Regel im Herbst auszubringen).

Jahrzehntelange Versuche in einem belasteten Forellenwasser mit Brut der verschiedensten Herkunft – auch Produktion aus eigenen Laichfischen in eigenen Brutanlagen ohne nennenswerten Transport (Vermeidung von Sauerstoff-Schäden) – haben  gezeigt, daß hierbei nur einige Promille zur Fangreife abwachsen.

Lediglich in ganz unbelasteten Brutbächen kann das Ergebnis zwischen 10 und 2o % liegen.

“Sömmerlinge” (seit 1976 praktiziert) haben sich in unserem belasteten Wasser (gerade noch Güteklasse 2) ganz außerordentlich bewährt.

Kontrollabfischungen mit E-Gerät haben gezeigt, daß  nach ca. 2 Monaten 3o bis 4o % noch am Leben waren, ihre Länge verdoppelt und ihr Gewicht mindestens vervierfacht hatten. Diese Fische stammten aus einer Zucht, die die Mutterfische aus eigener Strecke mit etwa gleichem PH-Wert (7) und ähnlichen Charakteristiken wie bei unserem Gewässer entnimmt.

Die 1976 mit 3 bis 5 cm ausgesetzten Sömmerlinge hatten nach ca. 2 Jahren eine Länge von ca. 26 bis 32 cm mit einem Gewicht zwischen 18o und 300 g, und es waren sicher noch mehr als 10 % vorhanden.

Dabei soll darauf hingewiesen werden, daß die Sömmerlinge – Ende Mai geliefert – mit einigen 100 % Gewichtsvorteil gegenüber in Nebenbächen aufgewachsenen Brütlingen eingesetzt wurden.

Sie waren ausschließlich im Bruttrog mit Kunstfutter vorgestreckt, sie waren feist und dadurch anscheinend auch in die Lage versetzt, die böse Eingewöhnungszeit in einem zwar nahrungsreichen aber belasteten Gewässer gut zu überstehen (vielleicht auch deshalb, weil die Bruttröge ja durch die Ausscheidungen der zahlreichen Fische auch als belastet gelten können).

Der Besatz mit einsömmrigen Setzlingen einwandfreier Herkunft (garantiert kein Mehrforellenblut!) möglichst aus Brutbächen elektrisch abgefischt ist zweifellos ebenfalls zu empfehlen.

Nach unseren Erfahrungen kommen hier aber nicht wesentlich mehr Fische zur Fangreife, was u.U. – nach amerikanischen Untersuchungen – mit dem Stress beim Fang und besonders beim Transport und einer dabei gegebenen außerordentlich schädlichen Milchsäurebildung und -anreicherung im Körper zusammenhängen soll.

Hier soll ein hoher Prozentsatz der Fische nach dem Aussetzen unbemerkt sterben.

Je älter die Fische sind, um so nachteiliger soll sich dieser “Stress” auswirken, um so schwieriger soll auch die Eingewöhnung im fremden Wasser vor sich gehen.

Immerhin, man wird um den Einsatz zweisömmriger Fische (äußerstens) dann nicht herumkommen, wenn es sich um ein sehr stark belastetes Gewässer handelt, in dem ein Kleinfischbesatz nicht hochkommt. Auch kann man natürlich nach einem Sterben einen Bach viel schneller nutzen, wenn man zweisömmrige Fische einsetzt.

Auch hier sollte man unterstellen, daß nur unter sehr günstigen Verhältnissen mehr als 50 % fangfähig werden.

Wir haben bei unseren Besatzmaßnahmen seit ca. 25 Jahren – die mehr als 1o Jahre durch protokollierte E-Abfischungen kontrolliert werden – beinahe den Eindruck, daß der Prozentsatz der eingesetzten Besatzfische, die fangreif wurden, vom Sömmerling bis zum zweisömmrigen nicht so sehr differieren, wie man annehmen sollte und wie man es durch das Preisverhältnis von ca. 1 : 5 : 15 (Sömmerling : einsömmriger Fisch : zweisömmriger Fisch) erwarten sollte:

Es handelt sich hier aber um einen Flachlandbach mit besonderen Verhältnissen, und im übrigen sind unsere Untersuchungen auch noch nicht abgeschlossen.

Eins ist natürlich sicher und verführt viele:

Der zweisömmrige Fisch ist meist schon nach einem, längstens zwei Jahren fangreif. Bei den anderen muß man eben warten.

Dieses nicht warten können oder warten wollen erklärt die immer häufigeren Tendenzen zum Besatz mit fangfähigen Fischen.

Ein solcher Besatz ist wohl keine “Bewirtschaftung” eines Gewässers, sondern in erster Linie der Versuch, den Fischereiberechtigten möglichst rasch, möglichst große Fische zum möglichst baldigen Herausfangen zu bieten.

Gelegentlich wird solcher Besatz mit der Notwendigkeit des Einbringens von “Laichfischen” begründet.

Selbst wenn man sich der Hoffnung hingeben sollte – wie das wohl nur bei ganz wenigen unbelasteten Gewässern möglich ist – daß die ausgesetzten fangfähigen Fische Brut produzieren, so ist dies mit Sicherheit nur völlig unzureichend der Fall.

Selbst wenn alles gut geht, die eingesetzten Laichfische nicht kümmern – was wir bei der Neubestockung nach einem totalen Sterben feststellen mußten -, wenn sie nicht abwandern, wenn sie zu etwa 50 % aus Weibchen bestehen (aber welcher Züchter gibt schon seine Weibchen ab?), wenn sie trotz der Streßsituation beim Fangen und Umsetzen zum Ablaichen kommen: in unseren meist überdüngten Gewässern kommt kaum noch Brut hoch, und wie viel Brütlinge glauben wohl die Befürworter dieser Methode von einem Laichpaar erwarten zu können und wie viel von diesen können überleben und groß werden? Nein, ein Besatz mit fangfähigen Fischen ist keine “Bewirtschaftung” von Fließgewässern und nur gerechtfertigt in Teichen, aus denen sie alsbald heraus gefangen werden sollen.

Auf jeden Fall sollte man einen Preisvergleich anstellen und bedenken, daß die -zigfache Menge kleiner Besatzfische, die man für einen fangfähigen Fisch unbestimmten Alters bekommt – und Forellen werden eben nur 6 bis 8 Jahre alt! – auch die große Chance bietet, daß die lebens- und anpassungsfähigsten und damit wohl auch schnellwüchsigsten Fischchen groß werden.

Abschließend noch der Hinweis auf die Wanderslust der Besatzforellen.

Als Ergebnis von Markierungen, die vor Jahren mit dem Institut für Fischereibiologie an der Universität Hamburg durchgeführt wurden, kann angenommen werden, daß nur Brütlinge und Sömmerlinge nach dem Aussetzen nicht wandern.

Bereits ein einsömmriger, also einjähriger Fisch ausgesetzt im April mit 16 cm Länge wurde in einem Flachlandbach im Herbst 6 km oberhalb auf 26cm abgewachsen wieder gefangen!

Lassen Sie mich noch einmal besonders betonen, daß die oben gemachten Ausführungen sich nur auf zwei Flachlandbäche, mittel bzw. leicht belastet, und einen Bach im Hügelland in einer Höhenlage von etwa 250 m beziehen.

Hier sind diese Beobachtungen gemacht worden. Ob die Erfahrungen zu verallgemeinern sind, wird die Zukunft zeigen. Ich meine, daß sie in wesentlichen Punkten auch für andere Gewässer – ausgenommen Gebirgsbäche – zutreffen dürften.


 

Anlage zu: “Gedanken zum Besatz von Forellenbächen”

Auszugsweise aus dem neuesten Leitfaden für die Fischereiausübenden in der Binnenfischerei des Landes Niedersachsen, betitelt:

Die Hege von Fischbeständen“, Ausgabe Dezember 1976.

“Wenn….. große Mengen fangreifer Fische bestimmter Art ausgesetzt werden, so trägt dies sicherlich nicht zum Ausbau und zur Pflege eines gesunden Fischbestandes bei. Es führt eher zum Kannibalismus, zum Dahinvegetieren oder gar zum Absterben des Bestandes”.

Auf Seite 17: “Im allgemeinen sollten in einem Gewässer keine Fische eingesetzt werden, die älter als 1 Jahr sind. Durch den Besatz mit Jungfischen werden die Fischnährtiere optimal genutzt, d.h., die Produktionskraft des Gewässers wird ausgeschöpft, und es wird ein natürlicher Altersaufbau erreicht, der letztlich auch eine natürliche Vermehrung der Fischart im Gewässer gewährleistet”.

Auf Seite 19: “Bei Verwendung von vorgestreckter Brut stellen sich die Fische leichter auf das neue Gewässer ein, und es kommt nicht so leicht zu Verlusten bei Revierabgrenzung unter den Fischen”.

Auf Seite 32: “In manchen Fällen wird versucht, den Fischbestand in zu stark befischten Gewässer-Strecken durch einen Überbesatz wieder auszugleichen. Dazu werden dann meistens auch fangreife Fische in das Gewässer eingesetzt. Dies hat mit Hege nichts mehr zu tun und käme einer Hälterfischerei gleich”.

Auf Seite 33: “Große Raubfische im Gewässer rechtfertigen nicht einen Besatz mit fangreifen Fischen”.

 

“Besatzmaßnamen” (Klinke — Ostermann 1978)

Joachim Klinke    14.Februar 1978

Herrn

Willi Ostermann

Vorsitzender des Pachtvereins Hamburger Angler

 

Lieber Willi,

durch meine Reise ist es mir leider nicht möglich, die beiden nächsten Versammlungen, insbesondere die Hauptversammlung, zu besuchen (ich fliege am 14.2. und komme am 8.3. zurück).

Die Besatzmaßnahmen für die Salmonidenbäche des vorigen Jahres lassen mir aber keine Ruhe, und ich bitte Dich sehr, folgendes in Deiner Eigenschaft als Vorsitzender des Pachtvereins zur Kenntnis zu nehmen.

Der Besatz mit fangfähigen Forellen ist keine “Bewirtschaftung” eines Gewässers, sondern in erster Linie wohl der Versuch, den Vereinsmitgliedern möglichst rasch möglichst große Fische zum möglichst baldigen Herausfangen zu bieten.

Der Hinweis auf die Sportanglervereinigung wird von mir nicht als stichhaltig angesehen.

Ich begründe wie folgt zusammenfassend:

Zunächst einmal sind die Aussagen über die Luhe nicht schlüssig. Um festzustellen, ob eine Besatzmaßnahme greift, muß man vor dieser Besatzmaßnahme wesentliche Strecken als Teststrecken elektrisch abfischen, den Bestand ermitteln und protokollieren, und nach der Besatzmaßnahme erneut abfischen und protokollieren und die Bestände vergleichen. Dies ist meines Wissens bei der Luhe so nicht geschehen.  Man hat wohl nur nach einer 1976  oder 1977 durchgeführten Elektroabfischung festgestellt, daß in der Luhe ein sehr befriedigender Forellenbesatz in allen Altersgruppen gegeben ist. Dies kann durchaus andere Gründe haben und hat es nach meiner festen Überzeugung auch.

Die Luhe ist ein sehr gutes, relativ schonend befischtes und gering belastetes Gewässer mit idealen Laichbedingungen, insbesondere ausreichend Kiesbänken. Der Bestand ist meines Erachtens nach durchaus in der Lage,  einen befriedigenden, wenn auch vielleicht nicht optimalen Besatz zu gewährleisten, aber nicht wegen sondern eher trotz des Besatzes mit fangfähigen Fischen.

Wir waren uns in den vergangenen Jahren beim Pachtverein immer darüber im klaren,  daß in Aue und Seeve praktisch kein eigener Forellennachwuchs zu erwarten ist. Elektroabfischungen in der Aue unterhalb von Hanstedt (Gegend Schafbrücke) haben damals ganz klar gezeigt, daß der einsömmrige Fisch, den wir in dieser Gegend nicht ausgesetzt hatten, auch fehlte.

Selbst wenn man sich der Hoffnung hingeben sollte – wie das wohl die Sportanglervereinigung tut – daß die ausgesetzten fangfähigen Fische Brut produzieren (was mit Sicherheit aus verschiedenen Gründen, die noch zu erwähnen sind, nicht ausreichend der Fall ist) so sollte man doch zumindest zunächst einen Preisvergleich anstellen.

Wenn man für einen fang- und laichfähigen Fisch DM 6,— oder sogar noch mehr aufwenden muß, so könnte man dafür – wie wir das praktiziert haben,  1OO – 130 Bachforellen – Sömmerlinge in der Größe zwischen 3 und 5 cm bekommen, von denen, nicht nur nach meiner Beobachtung (leider hat das wiederholt erbetene Elektrokontrollfischen nicht stattgefunden) mindestens 10 % das Schonmaß erreichen.

Selbstverständlich sind dies die lebensfähigsten und schnellwüchsig­sten Fische, die sich durchgesetzt haben, und die mit etwa 500 % Gewichtsvorteil gegenüber naturgewachsenen Fischen in den Bach kommen, die deshalb auch sehr rasch weiterwachsen und nach meinen genauen Ermittlungen nach ca. einem halben Jahr zwischen 16 und 18 cm, und nach anderthalb Jahren zwischen 22 und 28 cm Länge bis zu einem Gewicht von 2OO g abgewachsen sind.

Selbst wenn von diesen Fischen nur einer fangfähig würde, so wird er das mit Sicherheit in einem jugendlicheren Alter als die gekauften Fische,  und er erreicht dabei mit Sicherheit ein höheres Gewicht; aber es sind mit Sicherheit wesentlich mehr, die dieses fangfähige  Stadium erreichen.

Vieles müßte man überprüfen. Wir haben das an der Bille getan – an einem Bach, dessen Umweltbedingungen wesentlich ungünstiger sind als in Aue und Seeve.

Wir haben durch genau protokollierte Ergebnisse von Elektroabfischungen festgestellt, daß mindestens 15 % zu einer Größe von durchschnittlich 25 cm nach l 1/2 Jahren abgewachsen waren, und wir rechnen fest damit – und werden das auch überprüfen – daß von diesen 15 % dann mindestens die Hälfte in diesem Frühjahr das interessante Fangmaß von 30 cm erreichen.

Wir alle, der Pachtverein und die FSG haben – nicht zuletzt durch Verschulden des Unterzeichneten – in den letzten 25 Jahren entsetzlich viel Lehrgeld gezahlt. Seit etwa 2 Jahren wissen wir nun, wie wir es machen müssen, und gerade zu diesem Zeitpunkt, da die Ergebnisse für jeden interessierten Beobachter völlig klar und positiv zuerkennen sind, geben wir entsetzlich viel Geld aus für so genannte fang- oder laichfähige Fische, von denen mit Sicherheit der überwiegende Prozentsatz aus Männchen besteht – denn welcher Züchter gibt schon seine Weibchen ab – und von denen kein Mensch weiß, ob sie 4, 5, 6 oder 7 Jahre alt sind und damit vielleicht nur noch 1-3 Jahre zu leben haben, von denen weiter kein Mensch weiß, ob sie nicht vielleicht Meerforellenblut haben, was zu einem Abwandern eines wesentlichen Teils führen würde, von denen niemand weiß,  mit welchen Krankheiten sie behaftet sind (bei Sömmerlingen ist die Gefahr, Krankheiten zu übertragen, nach gesicherten Erkennt­nissen wesentlich geringer) und von denen schließlich niemand weiß, wie schnell und wie weit sie abwandern.

Wir haben vor einigen Jahren bei der FSG nach einem totalen Sterben eine ganze Population vom Brutfisch bis zum 4O cm langen Fisch eingesetzt. Wir haben diese Maßnahme elektrisch überprüft und festgestellt, daß die Fische, soweit sie über 25 cm lang waren, deutlich kümmerten; wir haben auch eine ganze Menge toter Fische, insbesondere großer über 35 cm gefunden (was in der seichten Bille leichter möglich ist), und wir haben uns auch von Fachleuten (Biologen und insbesondere Praktikern) sagen lassen müssen, daß wir hier einen Fehler gemacht hatten, als wir fangfähige Fische einsetzten.

Selbst wenn alles gut geht, die eingesetzten Laichfische nicht kümmern, nicht abwandern, je etwa zur Hälfte aus Weibchen bestehen und auch noch so rechtzeitig eingesetzt werden, daß sie den Stress des Umsetzens überstehen und noch zum Ablaichen kommen: In unseren stark überdüngten Gewässern kommt kaum Brut hoch und selbst in noch sehr sauberen Bächen: Wie viele Brütlinge glauben wohl  die Befürworter von einem Laichpaar erwarten zu können und wie viel glaubt man werden von diesen Brütlingen überleben und groß werden? Es gibt eben leider nur einen Grund, der solchen Besatz in den Augen mancher Sportsfreunde rechtfertigt, und das ist die Tatsache, daß man bald große Fische raus fangen kann.

Dies ist aber keine Bewirtschaftung, sondern eine sehr zweifelhafte Maßnahme, die uns in die Nähe derer rückt, die in einer Kiesgrube große Regenbogenforellen aussetzen, um sie dann heraus fangen zu lassen.

Abschließend noch einige Zitate aus dem neuesten Leitfaden für die  Fischereiausübenden in der Binnenfischerei des Landes Niedersachsen, betitelt “Die  Hege  von  Fischbeständen”, Ausgabe Dezember 1976:

Hier steht auf Seite 9: “Wenn … große Mengen fangreifer Fische bestimmter Art ausgesetzt werden, so trägt dies sicherlich nicht zum Ausbau und zur Pflege eines gesunden Fischbestandes bei. Es führt eher zum Kannibalismus, zum Dahinvegetieren oder gar zum Absterben des Bestandes” (Ende des Zitats)

Auf Seite  17 : “Im allgemeinen sollten”‘ in einem Gewässer keine Fische eingesetzt werden, die älter als l Jahr sind. Durch den Besatz mit Jungfischen werden die Fischnährtiere optimal genutzt, das heißt, die Produktionskraft des Gewässers wird ausgeschöpft, und es wird ein natürlicher Altersaufbau erreicht, der letztlich auch eine natürliche Vermehrung der Fischart im Gewässer gewährleistet.” (Ende des Zitats)

Auf Seite 19 : “Bei Verwendung von vorgestreckter Brut stellen sich die Fische leichter auf das neue Gewässer ein, und es kommt nicht so leicht zu Verlusten bei Revierabgrenzung unter den Fischen.” (“Vorgestreckte Brut” sind die von uns 1976 bezogenen “Sömmerlinge”)

Auf Seite 32 : “In manchen Fällen wird versucht, den Fischbestand in zu stark befischten Gewässer-Strecken durch einen Überbesatz wieder auszugleichen. Dazu werden dann meistens auch fangreife Fische in das Gewässer eingesetzt. Dies hat mit Hege nichts mehr zu tun und käme einer Hälterfischerei gleich.” (Ende des Zitats)

Und schließlich auf Seite 33 : “Große Raubfische im Gewässer rechtfertigen nicht einen Besatz mit fangreifen Fischen.”

All diesem habe ich nichts hinzuzufügen.

Obwohl ich aus bekannten Gründen höchstens noch ein- oder zweimal an unsere Gewässer zum Fischen komme, liegt mir das Schicksal von Aue und Seeve, um die ich mich besatzmäßig so viele Jahre gekümmert habe, doch sehr am Herzen, und ich wäre wirklich dankbar, wenn die gemachten Erfahrungen, die zum großen Teil ja auch zeichnerisch oder protokollarisch festgehalten sind, nicht ohne weiteres beiseite geschoben werden.

Ich bitte deshalb um Hinzuziehung zu den Sitzungen des Besatzaus­schusses – Salmonidengewässer. Falls das in Erwägung gezogen wird, werde ich alles versuchen, die Teilnahme zu ermöglichen.

Abschließend noch eine interessante Mitteilung:

Ich habe mich ja seit vielen Jahren um Äschenbesatz bemüht. Die Erfolge waren nicht gut. Einsömmrige Fische zu einem Preis von 60 – 70 Pfennig frei Wasser wurden in der Bille nur zu etwa 2 bis 3 % fangreif.

Die günstigsten Ergebnisse hatten wir noch bei Brütlingen, die wir aus gekauften Eiern guter Herkunft selbst zogen und sie dann mit einem kleinen Dottersack im Mai in den Bach einbrachten.

Diese Fische, die ohne Berücksichtigung der Arbeitsleistung knapp 2 Pfennig pro Stück kosteten, wurden nach unseren Kontrollabfischungsergebnissen je nach Jahr zwischen 0,5 und l % fangfähig.

Es ist mir gelungen, einen Lieferanten ausfindig zu machen, der Äschensömmerlinge in einer Größe von 2,5 bis 3 cm zum Preise von etwa 10 Pfennig pro Stück liefern kann – wenn das Jahr günstig ist und er genügend Laichfische fangen konnte.

Es handelt sich um einen süddeutschen Züchter.

Um den Transport mit LKW zu rechtfertigen, müßte mindestens für DM 5.000,— gekauft werden. Wir könnten aber mit der FSG, wenn die Sache klappt,  halbe – halbe machen.

Auf jeden Fall hatte es sich bei mir gezeigt, daß die in eigenen Teichen in sehr begrenzter Menge aufgezogenen Sömmerlinge dieser Größe die besten Ergebnisse erbrachten, und da wir mit den Forellensömmerlingen so gute Erfahrungen hatten, besteht doch durchaus die Hoffnung, daß wir auch mit den entsprechenden Äschen Glück haben.

Auf jeden Fall ist unser Äschenbestand ja sehr zusammengeschrumpft, und wir sollten auf diesem Gebiet schon etwas riskieren. Dies ist jedenfalls mein Vorschlag, den ich auf der Hauptversammlung auch vorzubringen bitte.

Ich bitte nun noch, mir meine offenen Worte nicht zu verübeln. Mir geht es nur um die Sache, ich will hier niemanden angreifen.

Immerhin habe ich mich mit der Materie wirklich sehr eingehend befaßt, und zwar eben nur mit dem Besatz für Salmoniden.

Von anderen Besatzdingen verstehe ich nicht viel.

Zumindest sollte man sich die Mühe machen, mit mir einmal zu diskutieren.

 

Mit besten Grüßen,

Dein Joachim Klinke

 

“Besatzmaßnamen” (Klinke — Dannenberg 1980)

Joachim Klinke   9.10.1980

Herrn Fritz Dannenberg

 

Lieber Fritz Dannenberg

Ihr Rundschreiben in Sachen Besatz Pachtverein verlangt eine Stellungnahme. Dass diese sehr kritisch ausfällt, bitte ich zu entschuldigen. Ich weiss ja aus verschiedenen Unterredungen, dass Sie hier bedrängt werden.

Zunächst etwas Grundsätzliches:

Der grossen Masse unserer Mitglieder fehlen die fischereibiologischen und auch praktischen Kenntnisse und Erfahrungen, um eine Besatzwirtschaft richtig beurteilen zu können. Dies habe ich im Laufe der Jahre bei verschiedenen Dis­kussionen nicht nur im Pachtverein feststellen müssen, und zwar gilt dies auch für alte und erfahrene Angler.

Lassen Sie mich nun im Einzelnen auf Ihre Besatzabsichten Aue/Seeve zurückkommen:

Zunächst einmal der Besatz mit Regenbogenforellen 300 bis 400 Gramm.

Nach meiner Ansicht sollten wir in unsere Bäche nicht Regenbogen einbringen – auf keinen Fall in die Aue. Zumindest in das reine Bachforellengewässer oberhalb der Schmalenfelder Mühle gehören Regenbogen in keinem Falle hinein.

Wenn Sie einen Versuch machen wollen, so sollte das meiner Überzeugung nach nur aus fischereiwissenschaftlichen Gründen geschehen, und zwar dann ausschliesslich mit vorgestreckter Brut (Sömmerlingen) des von Ihnen ermittelten Shasta-Stammes.

Der Besatz mit fangfähigen Regenbogenforellen könnte uns in fatale Nähe der Leute bringen, die Teiche mit fangfähigen Regenbogen besetzen, um sie dann wieder heraus zufangen – wobei wenigstens die dort eingesetzten Forellen nicht abwandern können, was auch bei einer Shasta selbst mit einiger Sicherheit nicht gesagt werden kann – denn an eine Fortpflanzung der gelegentlich als “Laichfisch” deklarierten fangfähigen Forellen ist wegen der Situation an unseren Bächen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu denken.

Was Sie für die “selektierten und frohwüchsigen neuen Bachforellen” 22-25 cm bezahlen weiss ich nicht. Sicher DM 1,20 und mehr, also einen Betrag, für den wir allermindestens 20 “Sömmerlinge” beziehen können, die nach meinen in der Aue zugegebenermaßen nur mit der Fliegenrute ermittelten Ergebnissen innerhalb von 1 1/2 Jahren auf die Länge von 20 bis 25 cm abwachsen, und zwar mit einem Prozentsatz, der nach in anderen Bächen (Bille, Nethe und Örtze) teilweise durch sorgfältige Elektroabfischungen ermittelten Ergebnissen zu aller- mindestens von 10 % über den zweiten Sommer kommt; d.h., wir haben nach l 1/2 Jahren für max. 60 Pfennig eine eingelebte Bachforelle, wobei hier eine durch die Umwelteinflüsse gegebene Selektion mit Sicherheit besser ist, als es jeder Züchter erreichen kann.

Es gäbe nur einen einzigen Grund, von dieser seit nunmehr 5 Jahren von meinen Freunden und mir inzwischen wirklich erprobten Methode abzugehen, und zwar wenn wir durch Schuppenuntersuchungen ausreichenden Materials (50 Fische zwischen 20 und 25 cm) feststellen würden, dass diese im Vergleich zu den vom Züchter ge­kauften deutlich älter sind, d.h. in der Regel am Ende ihres dritten Sommers stehen (wenn die Kontrolle im Herbst erfolgt).

Dies war nach den Untersuchungen von Dr. Wehrmann und des Institutes für Hydrobiologie, die aus der Bille und Nethe entsprechende Fische bekamen, nicht der Fall. Die Fische zwischen 20 und 25 cm waren von wenigen Ausnahmen abgesehen erst l 1/2 Jahre alt.

Wenn Sie also diese sehr interessante neue und frohwüchsige Züchtung versuchen wol­len, wozu ich durchaus raten möchte, dann auf jeden Fall auch mit den “Sömmerlingen” von 3 bis 5 cm.

Bedenken Sie insbesondere, dass auch 2-sömmrige Bachforellen nach dem Einbringen in ein fremdes Gewässer nicht unerhebliche Verluste erleiden (Stress mit anschliessender Milchsäurebildung im Muskelgewebe, wobei in vielen Fällen die Folge lautloses Verenden nach einigen Tagen der Fall ist).

Der oben erwähnte Preisvergleich ist deshalb mit einiger Sicherheit nicht     l : 2 sondern mindestens l : 3 zu Gunsten der “Sömmerlinge”.

Ich bin gern bereit, hier mit unseren sachkundigen Mitgliedern zu diskutieren, ver­trete aber grundsätzlich die Ansicht, dass die Art des Besatzes nicht durch eine Mehrheitsentscheidung im Verein beeinflusst werden sollte sondern dass hier ausschliesslich der Vorstand nach sorgfältigen Prüfungen, d.h. nach genauen Untersuchun­gen und Befragungen von Fischereibiologen und Praktikern, allein zu entscheiden hätte.

Nicht ganz erst gemeint:

“Ich wäre bereit, eine namhafte Spende zu geben für die Anpachtung und den Besatz eines “Forellenteiches” mit fangfähigen Fischen, damit die Mitglieder, denen das absolut normale Verhältnis von l : 8 oder auch l : 10 untermaßig/maßig der in den Bächen gefangenen Forellen nicht gefällt, bei jedem Fang einen maßigen Fisch an den Haken bekommen.”

Bitte betrachten Sie diese kleine bösartige Glosse nicht zu ernst. Ein Körnchen Wahrheit ist aber ganz bestimmt daran.

Im übrigen danke ich als langjähriges Mitglied des Pachtvereins sehr für Ihre und des Vorstandes ausserordentliche Bemühungen und Bestrebungen, wie sie in dem sehr interessanten Rundbrief deutlich zum Ausdruck kamen.

Wenn ich mich hier weder mit Spende noch mit Arbeitsleistung beteilige, so wissen Sie, dass ich dies nicht aus mangelndem Interesse und Willen tue sondern aufgrund der Tatsache, dass ich nun inzwischen auch schon im 67. Jahr stehe und mit der Be­wirtschaftung der Bille ein gerütteltes Maß entsprechender Arbeitsleistung zu be­wältigen habe und weil ich insbesondere auch nicht eine Aktion unterstützen will, die ich nicht nur nicht für sinnvoll sondern teilweise für ausgesprochen schädlich halte.

Gern bin ich bereit, bei einer ad hoc zusammengerufenen Zusammenkunft vor besonders interessierten und auch sachkundigen Mitgliedern die oben angebotene Diskussion unter einem fairen Diskussionsleiter, z.B. Ihnen, oder den anderen Angehörigen des Vorstandes zu führen.

 

Mit besten Grüssen Ihr

Klinke

 

P.S.

Noch folgender Hinweis: Für die DM 4.OOO,— könnten wir 66.666 “Sömmerlinge” einsetzen, die nach längstens 2 Jahren in einer Menge von 6000 bis 8000 Stück, bis. auf 20 – 25 cm abgewachsen, alle unsere Seeve- und Aue-Strecken bevölkern würden!

 

“EIN PROBLEM …. ” (Situations-Betrachtung — Gablenz 1979)

E I N  P R O B L E M  und seine Lösung                    Juli 1979.

 

Die Zeiten, in denen wir Jäger und Fischer aus dem Vollen schöpfen konnten, sind wie es scheint für immer vorbei.

 

Es ist erst wenige Dezennien her, dass in den Lochs Schottlands die Tagesstrecken in einer Grössenordnung zwischen 1oo und 4oo Forellen lagen und auf unseren Treibjagden zwischen 2oo und 5oo Kreaturen geschossen und zur Strecke gebracht wurden, wo grosse Welse in Stettin zu dem Alltäglichen gehörten, genau so wie die Lachse in Hamburg, Lübeck und Köln.

Mit der Abnahme der Beutetiere hat sich auch die ethische Einstellung der Jäger und Fischer zwangsläufig geändert und neue Werte gesetzt.

Alle Flüsse waren noch sauber. In meiner Jugend konnte man bei Lauenburg noch bis auf den Grund der Elbe sehen und viele Berufsfischer lebten aus dem Fluss.

Sauberes Wasser und Trinkwasser wird knapp auf der Welt und soll nach den Untersuchungen einer UNO-Kommission im Jahre 2ooo so knapp und kostbar sein wie die Energie.

In Skandinavien sind nach den Untersuchungen der Regierungen ca. lo ooo Seen durch das Abregnen von Industriegiften aus Mitteleuropa unfruchtbar geworden.

Müssen wir Fischer und Jäger bald sagen: “Es war einmal”?

Müssen wir alle mit einem Grauen an die Zukunft denken?

Fischer und Jäger zu sein bedeutet – wenn es nur jeder einsehen wollte – eine Unsumme und eine Last von Verpflichtungen und Aufgaben, wie sie eine sich rasend schnell negativ verändernde Umwelt mit sich bringt.

Eine artenreiche Tierwelt kann nur noch durch sehr intensive hegerische Tätigkeiten und Aktivitäten für die Nachwelt und unsere Kinder erhalten werden.

Innerhalb dieser Aktivitäten ist die Hege der Salmonidengewässer eine der diffizilsten Aufgaben, ausserdem sind die Salmoniden unter den Fischen am meisten gefährdet und stehen bereits in einigen Landesteilen auf der Aussterbeliste.

Sicher hat jedes Gewässer seine eigenen Probleme und Schwierigkeiten, die in seinem biochemischen Haushalt und Kreislauf liegen und in seinen Reaktionen auf äussere Einflüssse. Jede Veränderung in den Biotopen und ihrer Ökologien, jede Herausnahme eines ihrer Glieder hat tief greifende Folgen.

Alexander von Humboldt hat schon zu seiner Zeit gesagt: “Die Mannigfaltigkeit der Natur ist in der Wirklichkeit eine Einheit, wehe dem, der sie zerstört.”

Die Gewässer haben auch, soweit es die Hege und den Besatz betrifft, eigene Probleme, wie schwierig und interessant sie sein können, möge das folgende Beispiel zeigen.

Der  Verein, dem ich angehöre, hat in der Heide zwei Bäche. An Fischen kommt die Bachforelle, die Regenbogenforelle, Meerforelle und die Aesche vor.

Unsere Bäche haben in der Vergangenheit durch Abwässer gelitten, wie alle anderen Gewässer auch. Das Vieh hat aus diesen Bächen nicht mehr getrunken. Inzwischen hat sich die Lage gebessert und die Viehtränken am Wasser werden wieder benutzt.

Trotz der Verbesserung der Wasserqualität ist es immer noch belastet. Wir bemerken es immer wieder an unseren Trockenfliegen, die äusserst schnell entfetten, nass werden und die Schwimmfähigkeit verlieren.

Zur Zeit sind die Kanuten zusammen mit den Schwarzfischern das grösste Problem unserer sich im Weichbild der Stadt Hamburg befindlichen Gewässer.

Das Nahrungsangebot, die Kleinfischfauna ist reichlich und immer noch vielseitig – die empfindliche Maifliege und einige Artverwandte sind selten geworden. Die Wasserflora ist reichhaltig, nur die Brunnenkresse haben wir anscheinend durch Verunreinigungen verloren.

Weitere Schäden hatten wir durch das regelmässige Ausmähen von der Seite des zuständigen Wasser- und Bodenverbandes. In der Zukunft unterbleibt das Ausmähen.

In diesen Jahr hatten wir grosse Verluste bei der Wasserflora durch Hochwasser.

Die Sauerstoffsättigung und die chemischen Werte sind gut bis sehr gut.

Im Frühjahr haben alle Fische einen mehr oder weniger starken Befall von Blutegeln, das Gleiche trifft auf den Befall mit Kratzern zu.

Ich erwähne diese Einzelheiten, weil sie zur Beurteilung des angeschnittenen Themas wichtig sind.

Die Bachforellen entwickeln sich bis zum dritten Jahr rasch und sehr gut. Sie sind herrlich gezeichnet und in einem sehr guten Futterzustand bis zu einer Grösse von 25/28 cm. Grössere Fische sind schlanker und haben grosse Köpfe.

Die Magenstränge sind nicht mehr so prall gefüllt, wie es im Sommer und bei dem vorhandenen Futterangebot sein sollte. lm Gegensatz hierzu sind die Regenbogenforellen immer in einem besten Zustand und wohlgenährt.

Das Wesentliche scheint mir aber doch zu sein, dass in der Grösse über 2o cm nicht genug Fische vorhanden sind (Bachforellen), was früher der Fall war.

Ein Besatz mit Regenbogenforellen erfolgt nicht. Die Zugänge rekrutieren sich nur aus Fischen, die aus Teichanlagen entwichen sind.

Anscheinend vergrössert sich ihr Bestand und es werden auch grössere Exemplare gefangen. Leider dürfen sie über das Fanglimit hinaus zusätzlich mitgenommen werden, was ich für falsch halte.

Die Meerforellen werden sehr gehegt und wurden mit viel Mühe und grossem Erfolg von meinem Freunde Fritz Dannenberg wieder eingebürgert, nachdem sie ausgerottet worden waren.

Der Äschenbestand hält sich anscheinend durch Naturverjüngung, allerdings setzt ein benachbarter Verein vorgestreckte Aeschenbrut aus. Die Aeschen wachsen gut ab und erreichen Grössen bis zu fast 5o cm und ca. 5 Pfund.

Der Mangel an grösseren Bachforellen kann an der Art der Befischung liegen. Es ist erlaubt, an den Unterläufen unserer Bäche, den längsten Abschnitten, mit Spinnern, Systemen und Streamern zu fischen, jenen einschneidenden Fleisch machenden Befischungsmethoden, die  zwangsläufig jede Spitze im Altersaufbau vorzeitig hinwegraffen und damit zu einer Negativentwicklung im Gleichgewicht des Altersaufbaus führen.

Bedauerlicherweise gibt es immer Sportfischer,die Gewässer als Selbstbedienungsläden zur Versorgung mit Edelfischen betrachten. Das Prädikat Sportfischer verdienen sie allerdings nicht.

Nach diesen Methoden befischte Gewässer haben keine großen Forellen, während im Gegensatz hierzu nur mit der Trockenfliege befischte Gewässer stets gute Bestände an grösseren Fischen haben. Beweise für diese Tatsache gibt es in Fülle und sie finden in den Streckenberichten der betr. Gewässer ihren Niederschlag.

Der Einwand, dass man ältere Forellen nur selten mit der Trockenfliege zur Strecke bringen kann, entkräftigt die Praxis genau so wie den Einwand, dass grössere Forellen ihre Nachkommen als Beute nehmen und damit dem Gewässer schaden. Der Kannibalismus bei Forellen ist selten und auch nur bei ganz grossen Exemplaren etwas ausgeprägter.

Dies bestätigen immer wieder die Magenuntersuchungen. Ich fische seit meinem 6 Lebensjahr und untersuche seit 30 Jahren die Magenstränge meiner Fische. In dieser ganzen Zeit habe ich viel Forellen gefangen, die sich auf eine bestimmte Beute spezialisiert hatten, was sicher mit ihrem Standort in einen Zusammenhang gebracht werden kann.

Nur in einem Fall habe ich bei einer ca. 30 cm grossen Regenbogenforelle Kannibalismus festgestellt. Diese Forelle hatte mehrere Kiefer anderer Forellen in ihrem Magen, erstaunlich war, dass diese Kiefer alle von um und über 20 cm grossen Forellen stammten, also sehr grossen Beutetieren.

Diese Forelle war wohlgenährt, hatte ein tief gespaltenes Maul und einen grösseren Kopf.

Die zweite mögliche Ursache für das angeschnittene Problem mag in der dominierenden Hege der Meerforellen liegen. Ich freue mich über den Erfolg, den die Meerforellenhege bei uns hat, aber deshalb können wir uns doch nicht vor Problemen, die sie ev. mit sich bringt, verschliessen.

Sollte durch sie ein Vakuum an Bachforellen entstehen, so geht es doch darum, dieses Vakuum wieder aufzufüllen und dies geht wiederum nur mit einer Forellenart, die durch ihre Eigenschaften dazu in der Lage ist, wie z.B. die Regenbogenforelle.

In Skandinavien und England halten Flüsse mit Lachsen und Meerforellen nur geringe Bestände anderer Salmoniden wie Bachforellen und Aeschen, trotz regelmässiger Bestandsaufstockungen mit ihnen.

Es ist bewiesen, dass in derartigen Gewässern die Bachforellen speziell in ihrer Verbreitung unterdrückt und untergeordnet werden. Die Grossalmoniden behaupten durch ihre Grösse schon zwangsläufig die Spitze der Rangordnung in dieser Gattung wenn alle Unterarten mit ihnen zusammen in einem Wasser vertreten sind.

Gehen die Lachs- und Meerforellenbestände zurück, erholen sich die Bach- und Aeschenbestände rasch, wachsen dagegen die Bestände von Lachs und Meerforelle wieder durch intensive Hege und Aussetzen, gibt es eine entgegen gesetzte Entwicklung.

Über die Gründe rätselt die Fachwelt, aber anscheinend liegt die Ursache doch darin, dass die Grossalmoniden einen erheblich grösseren Lebensraum benötigen und dadurch den Lebensraum der Bachforellen und Aeschen so einengen, dass Vorkommen und ihre Population in dem betr. Gewässer gefährdet ist, bzw. sich immer nur in einem bestimmten Verhältnis zur Masse der Lachse und Meerforellen befindet.

Die Bachforelle, die viel Ruhe und noch mehr Schutz benötigt, gerät, wenn sie verdrängt wird und keinen ihr zusagenden  Schutz findet, in Stressituationen, die nach Dr. Wehrmann ihren biochemischen Haushalt und Stoffwechsel verändern und damit lebensbedrohend werden können.

Die Meerforelle steht ca. ein halbes Jahr in unseren Bächen um dann bekanntlich ins Meer zurück zu wandern. Sie paaren sich fruchtbar mit der Bachforelle,  was  bei der nahen Verwandtschaft verständlich ist.

Damit bin ich bei der dritten möglichen Ursache für unsere Probleme, denn die Meerforelle ist dominant in der Vererbung ihrer Eigenschaften. Die Kreuzungsprodukte erben ausser dem Vorzug der Frohwüchsigkeit auch den für uns ungünstigen Wandertrieb.

Im weiteren Verlauf der Kreuzung und Vermehrung werden die Eigenschaften der Bachforellen immer weiter reduziert und verdrängt, so daß der Bestand reinblütiger Bachforellen immer kleiner wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir auch noch mit Fischen aus dem eigenen Wasser zusätzlich vermehren, also mit Fischen die ev. schon nicht mehr reinrassig sind.

Der Meerforellen-Nachwuchs wandert in einer Grösse von ca. 25/28 cm ins Meer zurück, genau in jener Gösse, bei welcher anschliessend bei uns die Lücke in Erscheinung tritt.

Aus den geschilderten Fakten heraus habe ich den Vorschlag gemacht, die vorhandene Lücke mit Regenbogenforellen zu schliessen.

Dieser Vorschlag betr. auch nur die unteren Streckenabschnitte unserer Bäche bis zu Wehren, die dem Aufsteigen der Meerforellen eine Grenze setzen. Die oberen Bereiche sind und müssen allein der Bachforelle vorbehalten bleiben.

Mein Vorschlag wurde nicht angenommen, weil man in anderen Vereinen mit dem Besatz von Regenbogenforellen negative Erfahrungen gemacht hat.

Meistens liegt so ein Misserfolg an einer Unkenntnis der Möglichkeiten, denn wenn man Besatzfische aus einer falschen Zucht verwendet kann es durchaus zu Fehlschlägen kommen.

Die Argumente für die Ablehnung waren, sie verdrängt die Bachforelle, sie sei schneller als die Bachforelle und nähme ihr daher die Nahrung, ausserdem wandert sie ab.

Sicher ist sie ein Nahrungskonkurrent der Bachforelle. Da sie aber in den meisten Fällen einen anderen Standort bevorzugt, nämlich die freiere Strömung, entfällt dieses Argument, besonders wenn es sich darum handelt, ein Vakuum zu füllen, dass von der Bachforelle aus den geschilderten Gründen nicht ausgefüllt werden kann.

Fehlschläge mit dem Besatz von Regenbogenforellen sind auch schon seit vielen Jahren nicht mehr nötig, denn die Richtlinien und Kriterien moderner Zucht von Regenbogenforellen wie Frohwüchsigkeit und Standorttreue sind bereits seit vielen Jahren voll durchgeschlagen. Wir haben seit geraumer Zeit absolut standorttreue und frohwüchsige Zuchten und Stämme.

Die Bezugsquellen kann man bei den Ämtern für Binnenfischerei der Landesregierungen erfahren.

Von dem Borne brachte in den achtziger Jahren die ersten Regenbogenforellen nach Deutschland. Seine damaligen Einbürgerungsversuche schlugen fehl, weil er eine Regenbogenforellenvarietät importierte, die zu denen mit dem Wandertrieb gehörte.

Später wurden dann weitere Formen der Regenbogenforellen eingeführt u.a. die Stahlkopf- und die Shastaforelle. Von diesen Varietäten hatte die Stahlkopfforelle ebenfalls den Wandertrieb ins Meer, um gleich den Meerforellen zum Laichen in die Flüsse zu kommen. Die Shastaforelle dagegen ist standorttreu.

Beide Arten wurden anfangs gekreuzt, um die höhere Frohwüchsigkeit der Stahlkopfforelle mit der Standorttreue der Shastaforelle zu koppeln. Leider war die Stahlkopfforelle in der Vererbung ihrer Eigenschaften dominant und hat damit ihren Wandertrieb in die neue Züchtung eingebracht.

Hierin liegt die Ursache für das Scheitern des Besatzes mit Regenbogenforellen in der Vergangenheit.

Inzwischen hat sich diese Frage gründlich zum positiven für uns verändert, denn das Manko wurde wie bereits erwähnt konsequent und zielbewusst verdrängt und herausgezüchtet.

Ich fische seit 56 Jahren und habe viele Gewässer befischt, in denen beide Arten gleichzeitig und mit viel Erfolg vertreten waren. Es liegt wie gesagt nur am richtigen Besatz. Ich plädiere absolut in gewissen Fällen für die Verwendung der Regenbogenforelle in den unteren Bereichen der Forellenregionen und in der Aeschenregion und präzisiere daher nochmals ihre Vorteile.

 

  1. Der nachteilige Wandertrieb wurde herausgezüchtet.
  1. Bei gleichem Futterangebot hat sie erheblich höhere Wachstumsraten mit über 100 % gegenüber der Bachforelle.
  1. Die Futterausnutzung ist daher wesentlich grösser.
  1. Sie bringt deshalb im Schnitt doppelt so hohe Stückgewichte in den gleichen Altersstadien wie vergleichsweise die Bachforelle.
  1. lhre bevorzugten Einstände liegen mehr im Strömungsbereich und überschneiden sich daher nur bedingt mit denen der schutzbedürftigen Bachforelle. Sie aktiviert damit Wasserbereiche, die vorher keiner so hohen Ausnutzung unterlagen. Damit wird eine höhere Besatzdichte und eine höhere Ausnutzung der Produktionskraft des betr. Baches oder Flusses erreicht, sofern die Kleinfauna das Fundament der Futtergrundlage, dies zulässt.
  1. Sie ist erheblich robuster gegen Verschmutzung, Sauerstoffmangel und höhere Wassertemperaturen.
  1. Ihre Laichzeit liegt später, Kreuzungen mit der Bach- und Meerforelle werden dadurch ausgeschaltet bzw. reduziert.
  1. Zuletzt zählt als weiterer Pluspunkt für ihre Verwendung ihre grössere Kampfkraft. Sie bietet den besseren Sport.

Diese Erfahrungs-Äusserungen von mir, tun meiner Vorliebe für Bachforellen und meinem Einsatz für ihre Erhaltung wie auch der Meerforelle nicht den geringsten Abbruch.  Wir müssen doch flexibel sein und uns nach den Notwendigkeiten richten. Alle angeführten Punkte sind Fakten, die der Regenbogenforelle auch in Fliessgewässern die Zukunft öffnen. Sie ist die anpassungsfähigste und damit lebenstüchtigste Forellenart.

 

Gablenz